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Die evangelische Kirche in Ober-Wegfurth

"Ober-Wegfurth besaß zur Zeit der Einführung der Reformation eine Filialkirche." Mehr weiß Wilhelm Diehl, der in den 30 Jahren des 20. Jahrhunderts die Akten sämtlicher Kirchen des ehemaligen Großherzogtums Hessen durchgearbeitet hat, nicht über Ober-Wegfurther Kirche zu sagen. Wir wissen also nicht, wann unsere Kirche gebaut wurde. Aber Merkmale der Bausubstanz (Eingangportal u.a.) weisen darauf hin, dass die Kirche im Kern romanischen Ursprungs ist. Wir dürfen annehmen, dass die Kirche um das Jahr 1000 oder früher erbaut wurde.

Die Ober-Wegfurtjer Kirche (Bilder bitte anklicken)

Erste urkundliche Hinweise von 1699

Kollektenbitte von 1699

Sichere Hinweise erhalten wir erst durch zwei Schreiben aus dem Jahr 1699, als die Gemeindeglieder der drei Dörfer Unterschwarz, Ober- und Unter-Wegfurth eine Kollektengenehmigung vom Consistorium in Schlitz erbitten, um ihre Kirche sanieren zu können. In dem einen Schreiben wird gesagt, dass die "von langen Jahren her wüst gelegene Kirche" dringend repariert werden muss. Noch deutlicher sagt das zweite Schreiben, dass die Kirche "in miserablem Zustand sich befinde, u. dermaßen baufällig worden, das man ohne Gefahr das Gotteshaus nicht mehr besuchen könne". Die Erlaubnis, Kollekten in der reichsfreien Ritterschaft und im Riedeselschen Geld für den Wiederaufbau der Kirche zu sammeln wird am 30. Juli 1699 erteilt.

Kirche wurde 1701 neu erbaut

Inschrift über der Eingangstür

Dass die Kirche dann unter Benutzung der vorhandenen Bausubstanz im Jahr 1701 (neu)erbaut worden ist, belegt die über dem Türsturz eingelassene Inschrift:
"Diese Kirche ist im Anfang des XIIXten Jahrhunderts von denen 3 Gemeinden Ober und Untern Wegfurth und Untern Schwarz durch Beyhilf guter Leuth wiederum von neuem in Gottes Nahmen aufgeführt worden. Anno 1701."

Glocken von Kutschbach, 1749 und 1764

Kutschbachglocke von 1749

In den Jahren 1749 und 1764 werden durch den (die) Glockengießer Kutschbach zwei Glocken für die Kirche gegossen, die noch heute die Gemeinde zum Gottesdienst rufen.

Die erste Glocke von 1749 wiegt ca. 100 kg und trägt die Inschrift: Ano MDCCXLIX gos mich Kutschbach".
Die zweite Glocke wurde 1764 gegossen, wiegt 168 kg und trägt die Inschrift: "Soli dei gloria Kutschbach me fecit MDCCLXIIII"

Zwischen 1743 und 1800 sind in Hessen, Thüringen und Bayern bisher 80 Glocken nachgewiesen, in deren Inschriften ein Kutschbach als Gießer genannt ist.

Erste Orgel wohl 1769

Innenraum mit Emporen

Bereits 1763 zahlen Gemeindeglieder aus den drei Dörfern eine freiwillige Steuer, damit eine Orgel angeschafft werden kann. Wann zum ersten Mal in der Kirche Orgelmusik zu hören war, muss offen bleiben.

Vielleicht wurde eine erste Orgel im Zusammenhang mit dem Einbau der Emporen im Jahr 1769 angeschafft.

Umbaupläne von Hugo von Ritgen, 1877

Gut hundert Jahre später, nämlich im Jahr 1877, fertigte der Giessener Architekt Hugo von Ritgen umfassende Umbaupläne für die Ober-Wegfurther Kirche an, die aber nicht zur Ausführung kamen. Eine notwendige Sanierung derKirche erfolgt schließlich im Jahr 1880. Dabei wurden "der Thurm und die Decke ausgebessert, das Innereüberall angestrichen, der Altar und die Kanzel neu bekleidet, die untere Eingangsthür neu gemacht. Die alte unbrauchbare Orgel wurde gegen eine andere nicht neue, aber noch gute vertauscht. Die letztere stammt aus deralten Kirche zu Langenschwarz und wurde von Orgelbauer Eifert aus Thüringen aufgestellt. Während der Reparatur wurde der Gottesdienst im Schulhause gehalten."

Kutschbachglocke zum Einschmelzen abtransportiert (20.12.1941)

Während des Zweiten Weltkrieges wurde am 20. Dezember 1941 die 1764 gegossene Glocke abgenommen und zum Einschmelzen abtransportiert.
"Die während des Krieges abgelieferte Glocke kehrte am 31.10.1949 unbeschädigt zurück und wurde in einer schlichten abendlichen Feierstunde wieder in Gebrauch genommen."

Umfassende Renovierung 1950/51

In den Jahren 1950/1951 erfuhr die Kirche eine umfassende Außen- und Innenrenovierung. Dachstuhl und Deckenbalken wurden erneuert. Die Kirche erhielt neue Bänke und eine Elektroheizung. „Auch der vollkommen verwahrloste Friedhof wurde in mühevoller Arbeit in Ordnung gebracht, wobei die gesamte Bevölkerung Mithilfe leistete.

Luft für die Orgel durch Elektromotor

Bis 1957 mussten die Schüler und Konfirmanden durch das "Bälgetreten" der Orgel Luft zuführen. Nun bekam die Orgel einen elektrischen Windmotor. Die Orgel wurde 1964/65 umgebaut und teilweise erneuert.

"Ein Sturm, der über das Schlitzer Land am 15.07.1967 hinweg ging, verursachte auch an der Kirche zu Ober-Wegfurth Schäden. Vor allem das Dach und die im Jahre 1965 renovierte Orgel wurden in Mitleidenschaft gezogen. Dank der Hilfe der Kirchenleitung konnten die Schäden schnell beseitigt werden."

Kirchenrenovierung 1970

Im Juli 1970 „gehen die Kirchenvorsteher von Haus zu Haus und bitten um Spenden für die Kirchenrenovierung und die damit verbundene Anschaffung einer elektrischen Läuteanlage. Das Sammelergebnis konnte sich sehen lassen, auch wenn die erforderlichen 7.000.- DM nicht zusammenkamen. In Ober-Wegfurth wurden genau 1000.- DM gespendet, in Unter-Wegfurth 712.- DM und in Unter-Schwarz 1.340.- DM. Insgesamt erbrachte die Sammlung: 3052.- DM.“ Noch im selben Jahr wird eine elektrische Läuteanlage eingebaut. 1971 wird das Dach neu gedeckt und der Glockenstuhl verstärkt. 1973 wird der Außenputz ausgebessert und die Kirche mit einer rötlichen Mineralfarbe angestrichen. 1974 wird die Kirche „in helle freundliche Farben gefasst. Das gotische Fenster wird wieder hergerichtet durch den Einbau der Mittelstrebe und Verglasung mit Antikglas. Die Treppen zu Orgel und Dachboden werden erneuert. Die Kirche erhält einen Taufstein und neue Beleuchtungskörper.

Reparaturen 1986-1991

1986 bis 1991 werden in der Kirche "Reparaturarbeiten zur Trockenlegung und Substanzerhaltung durchgeführt. Ebenso wird die Orgel total abgebaut, gereinigt und von Anobienbefall befreit. Die Kirchenvorstände führten für die Renovierung der Orgel eine Haussammlung durch, die 6.000.- DM erbrachte.

"Im Juni und Juli wurde in Eigenleistung (etwa 340 Arbeitsstunden) die Dachrinne erneuert und für eine bessere Entwässerung des Geländes gesorgt."

Sanierung der Außenfassade im Jahr 2001

Anfang Juni 2001 wird die Außenfassade der Kirche saniert. Die ausgespülten und beschädigten Teile des Putzes werden abgeschlagen und neu beigeputzt. Die Kirche erhält anstelle der roten Farbe einen hellen, cremefarbenen Anstrich.

Am 26. August 2001 wurde das 300-jährige Kirchbaujubiläum gefeiert

In einem gemeinsamen Gottesdienst am 26. August 2001 wurde das 300-jährige Kirchenjubiläum auf dem Ober-Wegfurther Kirchenberg gefeiert und damit die renovierte Kirche wieder eingeweiht.