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Ober-Wegfurther Orgelgeschichte

Orgel in der Ober-Wegfurther Kirche

Die erste Orgel von 1769


Der bislang erste Hinweis auf eine Orgel findet sich im Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt bei den Kirchbauakten aus dem Gräflich Görtzischen Archivs zu Schlitz. Es handelt sich um eine Liste aus dem Jahr 1763, in der namentlich 57 Bewohner aus den Dörfern Ober- und Unter-Wegfurth und Unter-Schwarz aufgelistet sind, die eine freiwillige Steuer, also eigentlich eine Spende, für eine Orgel in der Ober-Wegfurther Kirche zahlen. Die Gesamteinnahme der Spenden betrug 49 Gulden und 7 Albus. Ob es sich um eine einmalige Spendenaktion handelte oder um eine über mehrere Jahre gehende freiwillige Gabe, lässt sich nicht sagen. Man kann Letzteres aber annehmen, denn die Kirche war für die wachsende Bevölkerung der drei Dörfer zu klein geworden und sollte mit Emporen ausgestattet werden. Auf der zu errichtenden Empore könnte dann eine Orgel ihren Platz finden. Die Emporen wurden 1769 in die Kirche eingebaut, wie eine Jahreszahl auf einem Stützpfeiler in der Kirche bezeugt. Wenn in den sieben Jahren von 1763 an bis zum Einbau der Emporen die freiwillige Steuer erhoben wurde, wären etwa 350 Gulden zusammengekommen, die für die Anschaffung einer Orgel ausgereicht hätten. Zu Vergleich: Im Jahr 1780 betrug das Jahresgehalt eines Schlitzer Gymnasiallehrers 50 Gulden.
Wir gehen davon aus, dass die Kirche etwa 1769 oder kurz danach eine erste Orgel erhielt. Wer der Orgelbauer war und wann genau die Orgel eingebaut wurde, muss zur Zeit noch offen bleiben. Sicher ist, dass die Ober-Wegfurther Kirche 1827 eine Orgel besaß.

Orgelreparatur 1827


Der Orgelbauer Johann Adam Oestreich verlangt am 21. August 1827 für eine Reparatur an der Ober-Wegfurther Orgel 24 Gulden. Die Bälge sind sehr mangelhaft und müssen an vielen Stellen mit neuem Leder überzogen werden. Das Pfeifenwerk spricht größtenteils nicht mehr an. Tasten liegen auf dem Manual, weil ihre Arme abgebrochen sind. Das ganze Pfeifenwerk muss ausgeputzt werden.

Die Oestreich-Orgel aus Langenschwarz, 1880


Die Ober-Wegfurther Kirchengemeinde erwog zwischen 1870 und 1875 den Kauf der alten Orgel aus Nieder-Stoll. Die Kirche in Nieder-Stoll hatte 1870 eine neue Orgel erhalten. Gegen den Kauf hatte sich das Großherzogliche Kreisamt in Lauterbach ausgesprochen mit der Bemerkung "weil sie [die gekaufte Orgel] nicht mehr reparaturfähig" wäre.

Genaueres wissen wir über das vermutlich zweite Orgelwerk in der Ober-Wegfurther Kirche. In der Pfarrchronik berichtet der damalige Pfarrer Karl Bernbeck über eine Renovierung der Kirche im Jahr 1880 das Folgende: „Die alte Kirche Ober-Wegfurth wurde in diesem Sommer (1880) repariert. Der Thurm und die Decke wurden ausgebessert, das Innere überall angestrichen, der Altar und die Kanzel neu bekleidet, die untere Eingangsthür neu gemacht. Die alte unbrauchbare Orgel wurde gegen eine andere nicht neue, aber noch gute vertauscht. Die letztere stammt aus der alten Kirche zu Langenschwarz und wurde von Orgelbauer Eifert aus Thüringen aufgestellt. Während der Reparatur wurde der Gottesdienst im Schulhause gehalten. Am 19. Sonntage post Trinit., als am 3. October wurde zum ersten Mal in der restaurierten Kirche Gottesdienst gehalten. Der Geistliche predigte auf Grund von Ev. Luc. 19, 1-10, dem Kirchweihevangelium von dem Heil in Christo, das uns widerfahren soll.“

Die Ober-Wegfurther Kirchengemeinde kaufte also die alte Orgel aus Langenschwarz. Diese Orgel war, wie Gutachten belegen, ein Werk der Orgelbauwerkstatt Oestreich aus Ober-Bimbach und wurde 1838 für die Langenschwärzer Kirche erstellt. Aus der Orgelwerkstatt Oestreich , deren Orgelbautradition bis auf das Jahr 1715 zurückgeht, stammen auch die Orgeln in Fraurombach (1798), Altenschlirf (1789) und Nieder-Moos (1791).

Mit dem Aufstellen der gebraucht gekauften Orgel wurde der bekannte Stadtilmer Orgelbauer Adam Eifert beauftragt. Adam Eifert stammte aus Grebenau und trat 1867 als Werkmeister in die Orgelwerkstatt Witzmann in Stadtilm ein. Er heiratete die Tochter seines Meisters und wurde 1870 dessen Werkstattnachfolger. Adam Eifert trug den Titel "Großherzogl. Sächsischer Hoforgelbauer". Von 1870 bis 1907 baute er 141 neue Orgeln. Darunter die Orgel in Queck (1897), Freiensteinau (1894), Angersbach (1897) und Hopfmannsfeld (1897).

Auf der aus dem Jahr 1838 stammenden Orgel wurde von 1880 bis 1964 in der Ober-Wegfurther Kirche musiziert. Das Orgelwerk erhielt zwar 1943 durch den Orgelbauer Nuhn eine neue Klaviatur und der defekte Blasebalg wurde 1954 „durch Herrn Rauchen aus Rimbach“ ersetzt. Die Orgel erhielt außerdem 1957 einen elektrischen Windmotor, so dass das lästige Bälgetreten wegfiel. Aber am Grundbestand der Orgel wurde in diesen 84 Jahren nichts verändert.

Der Hoffmannsche Orgelumbau von 1964


Im Jahr 1963 war die Orgel, die 1880 von Langenschwarz angekauft worden war, „durch Alter und natürlichen Verschleiß, aber auch durch unsachgemäße Behandlung .. in einem außerordentlich schlechten Zustand.“ Pfarrer Schwabedissen, der Mitte Juli 1963 die Pfarrei Queck verließ, schrieb an die Kirchenleitung: „Die Orgel in der evang. Kirche zu Ober-Wegfurth steht vor dem völligen Zerfall. In den letzten Jahren wurden wiederholt einige Reparaturen vorgenommen, aber statt einer Verbesserung ist viel verpfuscht worden.“ Es sei fast unmöglich, „die Orgel, so wie sie ist, zu gebrauchen. Für einen fremden Organisten ist es unmöglich darauf zu spielen.“

Da die Quecker Pfarrstelle nach dem Weggang von Pfarrer Schwabedissen zunächst einmal vakant blieb, und das Geld für die Sanierung der Orgel fehlte, verzögerten sich Entscheidungen. Im Januar 1964 lag dann aber ein veränderter Kostenvoranschlag der Orgelwerkstatt Hoffmann, Ostheim v. d. Rhön und ein Gutachten des Orgelsachverständigen Hans Brendel vor. Vorgeschlagen wurde eine Sanierung der Orgel von Grund auf. Dabei sollten drei der sieben Register gänzlicher erneuert werden, andere umgebaut, das Pedal erweitert und sogar die Prospektpfeifen erneuert werden.

Der Umbau wurde bei der Orgelwerkstatt Hofmann in Auftrag gegeben und kam einem Neubau gleich, so dass nur noch wenig Substanz von der Oestreich-Orgel übrig blieb. Die Kosten beliefen sich auf 10.000.- DM. Zwei Drittel der Sanierungskosten trug die Kirchengemeinde Ober-Wegfurth durch innerkirchliche Darlehen und Spenden. Pfarrer Stepponat, der im Dezember 1963 die Quecker Pfarrstelle übernommen hatte, schreibt in die Pfarrchronik: „Die renovierte Orgel in der Kirche zu Ober-Wegfurth konnte am 05.12.1965 eingeweiht werden. Mit einer adventlichen Musik wurde das neue Werk der Gemeinde vorgestellt.“

Zwei Jahre nach dieser Grunderneuerung der Orgel fegte am 15. Juli 1967 ein Sturm über das Schlitzer Land hinweg und verursachte auch an der Kirche zu Ober-Wegfurth Schäden. Vor allem das Dach und die im Jahre 1965 renovierte Orgel wurden in Mitleidenschaft gezogen. Dank der Hilfe der Kirchenleitung konnten die Schäden schnell beseitigt werden.

Ab- und Aufbau der Orgel (1988-1991)


Im August 1986 wird an allen Holzteilen und auch an der Orgel in der Ober-Wegfurther Kirche starker Wurmbefall (Anobienbefall) festgestellt. Eine Baumaßnahme zur Bekämpfung des Wurmbefalls und eine schon länger geplante Bauwerkssicherung mit einem Kostenvolumen von zusammen 60.000.- DM wurde in Angriff genommen. Die Orgelbauwerkstatt Förster & Nikolaus in Lich stellte einen Kostenvorschlag auf, der vorsah, alle Pfeifenregister auszubauen und das Gehäuse, die Windladen und das Orgelinnere gründlich von Staub und Schmutz zu reinigen. Dichtungen an den Pfeifen sollten erneuert und die Orgel als Ganze überholt werden. Veranschlagt wurden dafür 16.000.- DM. Noch ehe die Verhandlungen zum Abschluss gebracht werden konnten stellte sich heraus, dass der Dielenboden unter der Empore verfault war und dringend der Erneuerung bedurfte. Die Orgel musste im Mai 1990 gänzlich abgebaut werden, was zusätzliche Kosten in Höhe von 6.000.- DM verursachte.

Aus Kostengründen nicht verwirklicht wurde der Wunsch des Orgelsachverständigen Walter Kiel, der „die Rückführung der Orgel in Richtung auf die Original-Konzeption“ für wünschenswert hielt, „obwohl nur ein geringer Teil der originalen Substanz der Oestreich-Orgel noch vorhanden ist.“ Trotzdem summierte sich die Orgelsanierung auf 22.000 DM. Davon trug die Kirchengemeinde durch Spenden und Kredite 13.000 DM. Erst im vorigen Jahr waren die aufgenommenen Kredite, die in kleinen Jahresbeträgen abgezahlt wurden getilgt.

Disposition der Ober-Wegfurther Orgel


MANUAL C-d3 (51 Tasten)
Prinzipal 4' (1964)
Gedackt 8' (Holz, 1964)
Gamba 8' (C-Fis gedeckt, teils Zink)
Gemshorn 4' (teils Zink)
Quinte 2 2/3' (1964 aus vorhandener Waldflöte 2')
Oktave 2' (1964)
Mixtur 3fach 1' (1964)

PEDAL C-d1 (27 Tasten, original C-a0)
Subbass 16' (1964)

Pedalkoppel