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Zur Geschichte der Quecker Orgel

Orgel in der Quecker Kirche


In der Geschichte der Quecker Kirche lassen sich für die Jahre 1727, 1897 und 1972 drei Orgelbauten nachweisen.

Die erste Orgel in Queck (1727)
Die "Eifert-Orgel" von 1897
Die Orgel von 1972 (Foerster & Nicolaus)
Disposition der Quecker Orgel

Die erste Orgel in Queck (1727)


Die evangelische Kirche in Queck erhielt wahrscheinlich im Jahr 1727 eine erste Orgel. Damals wurde das zu klein gewordene Kirchenschiff niedergelegt und durch einen größeren Neubau mit Emporen ersetzt worden. Den Organistendienst musste der Lehrer übernehmen. Im Jahr 1727 bittet nämlich der Lehrer Georg Friedrich Deutsch nach 28-jährigem Schuldienst in Queck seinen „Hochgebiettenden Freiherrn“, dass er seinen Sohn Johann Heinrich Deutsch (getauft 18.07.1700) als Hilfskraft beschäftigen dürfe, „da er das Orgelschlagen hat lernen müssen“ weil die Gemeinde in Queck in ihrer neuen Kirche „ein Stück Orgel-Werck angeschaffet, ich selber aber solches nicht versehen kann.“

Gut ein Dutzend Lehrer haben auf der Quecker Orgel zu Gottesdiensten und gottesdienstlichen Feiern gespielt.

Lehrer Christian Feick

Am 9. November 1891 übernahm dann der 24-jährige Lehrer Christian Feick den Organistendienst. Er blieb auch nach seiner Pensionierung 1932 in Queck wohnen und versah bis 1944 den Organistendienst. Als Christian Feick 12. Februar 1944 im Alter von 77 Jahren starb, ging eine 53-jährige Organistenära zuende. In die Quecker Pfarrchronik schrieb Pfarrer Dunkenberger folgende Worte der Ehrung über den langjährigen Organisten: „Im Orgelspiel war er ein Meister und die neue Orgel in der Kirche zu Queck wurde auf seine Anregung gebaut. Nichts konnte ihn davon abhalten, den Organisten und Lektorendienst zu versehen, und (er) half trotz seines hohen Alters noch in Rimbach und Ober-Wegfurth aus.“

Die Eifert-Orgel von 1897


Von Lehrer Christian Feick ging Ende des 19. Jahrhunderts die Anregung aus, für die Quecker Kirche eine neue Orgel anzuschaffen. In der Quecker Pfarrchronik wurde 1897 festgehalten: „Die seither in der Kirche zu Queck befindliche Orgel war schon sehr alt und befand sich in einem sehr schlechten Zustande, dass das Bedürfnis einer neuen Orgel schon sehr lange vorhanden war. Doch fehlten dazu die nöthigen Mittel.“ Die Kirchengemeinde hatte aus den Sonn- und Feiertagskollekten über Jahre hinweg Rücklagen in Höhe von 1.500 Mark gebildet, musste aber zugleich Schulden in Höhe von 30.000 Mark abtragen. Durch eine Spendensammlung wurden 1897 in Queck 1.200 Mark zusammengetragen, die mit dem vorhandenen Kirchenkapital zusammengelegt wurden.

Innenraum der Quecker Kirche
mit der ersten Orgel, 1886
Innenraum der Quecker Kirche
mit der Eifert-Orgel von 1897
Westempore ohne Orgel
1886

Eifert-Orgel von 1897

Die Kirchengemeinde trat mit dem Hoforgelbauer Adam Eifert zu Stadtilm in Thüringen, in Unterhandlung. Dieser versprach eine Orgel mit 12 klingenden Registern, 2 Manualen und 1 Pedal für 2535 M. bis Herbst 1897 zu liefern. Ende November wurde die Orgel fertig und auch alsbald in der Quecker Kirche aufgestellt. Ob bei diesem Orgelbau Pfeifen aus der alten Orgel verwendet wurden, kann nicht festgestellt werden. Die Prüfung des neuen Orgelwerkes fand am 26. November 1897 durch Kantor Both aus Schlitz statt und hatte ein außerordentlich günstiges Resultat. „Die Orgel fand in allen Stücken die volle Anerkennung und man erkannte sie als ein Meisterstück.“ Ein ausführlicher Prüfbericht befindet sich in den Akten des Pfarramtes.

Im ersten Weltkrieg wurden die großen zinnernen Prospektpfeifen für Kriegszwecke konfisziert und ausgebaut. Erst 1925 war die Kirchengemeinde in der Lage, die Pfeifen zu ersetzen. Das nötige Geld war wiederum durch Spenden der Gemeindeglieder zusammengetragen worden. Sogar die Schulkinder hatten 1924 den Verkaufserlös einer Heidelbeersammlung in Höhe von 14 Mark dem Orgelfond zugeführt.

Die Orgel von 1972 (Foerster& Nicolaus)

Foerster & Nicolaus-Orgel 1973


Nachdem die Quecker Orgel von 1897 an 71 Jahre lang die Gemeinde im Gottesdienst begleitet hatte, verfasste am 2. März 1968 der Orgelsachverständige Hans Brendel ein Gutachten, in dem er feststellen musste: „Durch Alter und natürlichen Verschleiß ist eine Erneuerung (der Orgel) notwendig geworden. Gleichzeitig bedürfen Klang und Aussehen einer Korrektur im Sinn der heutigen Zeit.“

Noch im selben Monat beschloss der Kirchenvorstand, die Orgelbaufirma Foester und Nicolaus in Lich mit dem Bau einer neuen Orgel zu beauftragen. Die Erneuerung der Orgel war Teil einer umfassenden Innen- und Außenrenovierung der Quecker Kirche, die von 1966 bis 1972 dauerte und mit dem Einweihungsgottesdienst am 25. Juni 1972 beendet wurde. Noch war die neue Orgel zu diesem Zeitpunkt nicht fertig. Aber „am 1. Advent, den 10.12.72 wird die neue Orgel (mit Verwendung der noch guten Teile der alten Orgel) von der Firma Förster & Nicolaus, Lich erbaut, in einem festlichen Gottesdienst durch Dekan Klaus, Angersbach eingeweiht. An der Orgel an diesem Tage Kantor Albrecht aus Schlitz.“

Blick vom Altar ins Kirchenschiff nach Westen

Die neue Orgel kam nicht wie die alte auf die Ostempore. Die Ostempore war abgerissen worden, um den Chorraum im Turm freizulegen. Die neue Orgel erhielt auf der Westempore ihren Platz in einem alten Gehäuse, denn das barocke Orgelgehäuse stammt aus der Kirche in Gelnhaar und hatte seit 1965 bei der Orgelbaufirma in Lich gelagert. Nach Ablösung von sechs Farbschichten kam Ornamentik und Rankwerk mit Früchten zum Vorschein.


Mit viel Lob für die Quecker Orgel formuliert der Orgelsachverständige Hanns Brendel 1973 den Neu- bzw. Umbau in seinem Abnahmegutachten. Er stellt fest, dass „die Orgel mit ihrem prächtigen Barockprospekt in seiner Farbigkeit und Form einen besonderen Akzent im Kirchenraum“ setzt. Über Ausstattung und Klang stellt der Sachverständige fest: „Die Orgel hat Schleifenwindladen, mechanische Traktur, 12 Register auf zwei Manualen und Pedal. Durch den geschlossenen Gehäuseschrein ergibt sich eine ausgezeichnete Klangsammlung und –abstrahlung. Die Intonation des Pfeifenwerks ist frisch und gesund, gut auf den Raum bezogen. Die einzelnen Register haben die ihnen zukommende Charakteristik, verschmelzen gut untereinander und verbinden sich zu einem strahlkräftigen Tutti. Trotz der verhältnismäßig kleinen Registerzahl ... kann der Organist dank der ausgewogenen Disposition eine breite Palette Orgelliteratur in gültiger Form darstellen.“

Disposition der Quecker Orgel

Orgel in der Quecker Kirche


Laut Auftrag vom 7.9.1971 erstellte die Firma Förster & Nicolaus, Lich, eine 12-registrige Schleifladenorgel mit mechanischer Spiel- und Registertraktur; „wobei z. T. Pfeifen aus der alten Orgel – nach gründlicher Aufarbeitung – wiederverwendet wurden.“

Die Orgel hat folgende Disposition:

Hauptwerk
I. Manual (C-g’’’)
1. Prinzipal 8’ (Prospekt) +
2. Rohrflöte 8’
3. Oktave 4’
4. Hohlflöte 2’
5. Mixtur 4fach 1 1/3 +
Positivwerk
II. Manual (C-g’’’)
6. Gedackt 8’
7. Salizional 8’
8. Ged. Flöte 4’
9. Prinzipal 2’ +
10. Quinte 1 1/3
Pedal (C-f’)
11. Subbaß 16’
12 Oktavbaß 8’

3 Koppeln

Der Orgelsachverständige Hanns Brendel schreibt in seinem Abnahmegutachten von 24. Juli 1973: „Die mit + versehenen Register sind neu, die übrigen nach Umarbeitung aus der Vorgängerorgel gewonnen bzw. aus Werkstattbestand mit neuen Ergänzungen.“

Das Barockgehäuse der Orgel von Gelnhaar lagerte seit 1965 bei Förster & Nicolaus und wurde zum Neubau der Orgel in Queck verwendet. Allerdings wurden nur der Prospekt incl. der Seitenteile verwendet. Untergehäuse, Obergehäuse Rückwand und Abdeckung wurden neu angefertigt.

Die Prospektpfeifen sind aus 75% Zinnlegierung angefertigt (Prinzipal 8’ B-d3 und 29 Stück Blindpfeifen, sowie Prinzipal 8’ – Innenpfeifen C-A und dis3 – g3.

Pfarrchronik Queck, 1972, Seite 217
„Am 1. Advent, den 10.12.72 wird die neue Orgel (mit Verwendung der noch guten Teile der alten Orgel) von der Firma Förster & Nicolaus, Lich erbaut, in einem festlichen Gottesdienst durch Dekan Klaus, Angersbach eingeweiht. An der Orgel an diesem Tage Kantor Albrecht aus Schlitz. Das Barock Gehäuse stammt von der Gemeinde Gelnhaar bei Büdingen.“


(recherchiert von Pfarrer Pierre Bouvain)