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Das Altarbild in der Rimbacher Kirche

Rimbacher Altarbild

Eine Recherche von Pfarrer Pierre Bouvain

In der Rimbacher Kirche hängt an der Ostwand links neben dem Altar unter dem Fenster ein kunstvoll mit Gold verzierter Rahmen, der drei Bilder einfasst. Das erste fast quadratische kleine Bild im oberen Teil des Rahmens zeigt Christus am Kreuz. Ein großes Bild steht im Zentrum des Rahmens. Es zeigt die Heilige Nacht im Stall von Bethlehem. Das dritte Bild bildet den Sockel des Rahmens und zeigt Jesus mit seinen Jüngern bei der Einsetzung des Abendmahles. Oberhalb der Abendmahlsdarstellung steht: „Anno 1652 pictor HB.“ Das Bild stammt also aus dem Jahr 1652 und der Maler (pictor) trug die Initialen HB. Zu vermuten ist, dass es sich bei diesem Renaissancerahmen und den Bildern um Überbleibsel eines Altars aus der Vorgängerkirche unserer heutigen Kirche handelt. Die heutige Kirche wurde 1727/28 anstelle einer Vorgängerkirche errichtet.

Durch Akten und Recherchen ist Interessantes ans Licht gekommen.

Detail des Rimbacher Altarbildes


inen ersten schriftlichen Beleg für die Existenz des Bildes erhalten wir von Philipp Dieffenbach. Er schreibt im Jahr 1843 in sein Tagebuch über die Rimbacher Kirche:

„Die Kirche des Ortes ist neu und hat keine Fenster, sondern kleine halbrunde Öffnungen wie an Pferdeställen. Sie enthält zwar keine Orgel, wohl aber ein altes Altargemälde aus dem 16. Jahrhundert. Es stellt die Kreuzerhöhung vor und hat eine Menge kleiner Figuren.
Unten befindet sich das Abendmahl Christi mit interessanten Physionomien.“

Abendmahlsdarstellung, 1652

Ausschnitt aus dem Rimbacher Altarbild

Dieffenbach irrt, was das Alter des Bildes betrifft. Es stammt nicht aus dem 16., sondern aus dem 17. Jahrhundert. Die Jahreszahl 1652 ist ja angegeben. Wichtig ist aber, dass das zentrale Gemälde die Kreuzerhöhung Jesu „mit einer Menge kleiner Figuren“ zeigt. Dieses zentrale Gemälde ist heute nicht mehr vorhanden.

Bei der Renovierung 1875 entfernt

Über das weitere Schicksal des Bildes können wir zunächst nur Vermutungen anstellen. Im Jahr 1875 wurde die Rimbacher Kirche grundlegend renoviert. In der Pfarrchronik ist festgehalten: „Am 10. Sonntage p. Trinit., als am 1. August wurde die wiederhergestellte Kirche zu Rimbach eingeweiht. Die Wiederherstellung bestand darin, dass die Decke und die Wände neu gestrichen und der Fußboden neu geplättet wurde. Außerdem erhielt die Kirche neue Emporbühnen und eine Orgel, welch letztere seither noch in der Kirche gefehlt hatte.“

Bei dieser umfassenden Renovierung wurde das alte Altargemälde entfernt und auf dem Dachboden der Kirche gelagert. (so Diehl ) 45 Jahre war das Bild auf dem Dachboden der Rimbacher Kirche verborgen.

Kriegertafel, 1920

Rekonstruktion

Gedenktafel für die Gefallenen (1920)

Im Jahr 1920 suchte man in Rimbach nach einer Möglichkeit, der acht aus der Gemeinde Gefallenen und zwei Vermissten des Ersten Weltkrieges dauernd zu gedenken. Wie in vielen anderen Orten (z. B. in Queck und Ober-Wegfurth) sollte eine Gedenktafel mit den Namen der Gefallenen in der Kirche aufgehängt werden. Nun kam das alte Altarbild wieder zum Vorschein. Das zentrale Bild, die Kreuzigung Jesu wurde wohl entfernt oder war auf dem Dachboden zerstört worden und wurde durch eine Holztafel mit den Namen der Kriegstoten ersetzt. Professor Walbe berichtet im „Jahresbericht der Denkmalpflege, 1913-1928“: „1920 wurde ein auf dem Kirchenboden gefundener Rahmen eines Altarbildes benutzt, um eine Kriegertafel zu fassen. Im Fußbild des Rahmens ist ein schönes Abendmahlsbild. Das Ganze ist wohl gelungen.“
Bei den beiden folgenden Renovierungen blieb das Altarbild, das nun im Zentrum die Gedenktafel für die Gefallenen trug unangetastet im Kirchenraum. Die Renovierung 1934 betraf vor allem das Dach, den Dachreiter und die Außenmauern. Bei der Renovierung 1952 wurde der Innenraum neu gestrichen, bekam neue Bänke und eine Heizung. Das Altarbild blieb an seinem Platz.
Auch die große Renovierung von 1969 bis 1974 wurde mit der Wiedereröffnung der Rimbacher Kirche am 11. August 1974 abgeschlossen, ohne dass das alte Altarbild mit der Gedenktafel davon betroffen war.

Ein neues Bild für den Rahmen (1975)

Am 13. November 1974, also drei Monate nach Abschluss der Kirchenrenovierung, beschloss dann aber der Rimbacher Kirchenvorstand, „ein Bild für den Renaissancerahmen in der Kirche anfertigen zu lassen.“ Beauftragt wurde Kirchenmaler Kurt Scriba, der schon bei der Renovierung der Kirche mitgewirkt hatte. Scriba hatte die ursprüngliche Bemalung des Orgelprospektes, der Kanzel, des Altarkruzifixes und des Taufsteins freigelegt und die Farbgebung im Kirchenraum überwacht. Auch die Restaurierung des Rahmens des alten Altarbildes war von ihm durchgeführt worden. Dazu hatte er die graue Farbe vom Rahmen abgebeizt und die vorgefundene Farbgebung aufgefrischt. Scriba hatte sogar 24-karätiges Gold auf den Rahmen aufgelegt.

Wie der Entschluss des Kirchenvorstandes, ein neues Bild für den Rahmen malen zu lassen, zustande kam, lässt sich nicht mehr genau nachvollziehen. Zum einen war aber der Rahmen in seiner neuen Farbgebung sehr schön anzusehen. Andererseits wurden Gedenktafeln, die an die Toten des Ersten Weltkrieg erinnerten, andernorts aus den Kirchen entfernt. (so zum Beispiel in Queck) In Rimbach war am Totensonntag, dem 25.11.1973 eine neue Friedhofshalle eingeweiht worden. In dieser Halle wurde nun die Gedenktafel mit den Namen der Kriegstoten aufgehängt. In den Altarrahmen in der Kirche sollte ein neues Bild kommen.

Weihnachtsbild

Weihnachtsbild aus Ettingshausen

Der Kirchenmaler Kurt Scriba malte kein neues Bild, sondern griff auf ein Bild zurück, das er zusammen mit anderen, bei einem Kirchenumbau sichergestellt hatte. Das Bild, eine Darstellung der Heiligen Nacht, war allerdings zu klein für den Rimbacher Rahmen. Scriba ergänzte das Bild auf das nötige Maß und setzte es in den Rahmen ein. Am 26.3.1975 stellt er seine Bemühungen mit 1.200.- DM der Rimbacher Kirchengemeinde in Rechnung.

Diese Rechnung gab nun den ersten Hinweis auf die Herkunft des Rimbacher Weihnachtsbildes. Scriba schrieb in seiner Rechnung: „Geburt Christi, für die Filialkirche in Rimbach. Für malen eines Bildes, unter Verwendung eines alten Gemäldes aus der Kirche in Ettingshausen/Krs. Gießen, dazu Spannrahmen und Leinwand geliefert, erlaube ich mir, ein Honorar in Höhe von 1.200.- DM zu fordern.“

Kirche in Ettingshausen

Kirche in Ettingshausen

Ich habe mich an einem Nachmittag kurz entschlossen aufgemacht und bin nach Ettingshausen gefahren, um vor Ort Erkundigungen über die Herkunft des Rimbacher Weihnachtsbildes einzuholen.

Die Kirche in Ettingshausen ist eine Sehenswürdigkeit. Sie wurde als Wehrkirche etwa 1260 erbaut und diente nicht nur dem Gottesdienst, sondern auch dem Schutz der Bürger. Ich konnte dank der freundlichen Unterstützung einer Kirchenvorsteherin die Kirche anschauen und fand sechs biblische Bilder an der Empore vor. Zwei Namen von Pfarrern, die weitere Auskünfte geben könnten erfuhr ich obendrein.

Hartmut Miethe, von 1981-1996 Pfarrer in Ettingshausen und inzwischen Pfarrer in Grünberg, hat mir ein Heft zukommen lassen, das er zur Wiedereinweihung der renovierten Ettingshäuser Kirche 1996 herausgegeben hat. Aus diesem Heft erfahren wir über die Kirche und die dazugehörigen Bilder:

„In den Jahren 1959 bis 1961 erfuhr dieses altehrwürdige Gotteshaus eine gründliche Erneuerung. Man wollte wahrscheinlich eine moderne neuzeitliche Kirche. Die Jahrhunderte alte Empore wurde entfernt und eine neue tribünenartige an gleicher Stelle errichtet...“

Kirche in Ettingshausen

Innenraum

„Beim Abriss der Empore wurden die zwölf daran befindlichen Tafelbilder, die vermutlich von einem Kirchenmaler Hisgen von Lich gemalt wurden und bei der Renovierung 1797 ihren Platz an der Empore fanden, achtlos heruntergerissen und lagen tagelang zu dem Bauschutt auf dem Kirchenvorplatz. Es ist unerklärlich, warum der damalige Pfarrer Georg Herwig diese mutwillige Zerstörung zuließ.

Adam und Eva

Bild aus der Kirche in Ettingshausen

Sechs Bilder konnten unter schwierigen Bedingungen in den folgenden Jahren wieder beschafft (werden) und wurden von dem Kirchenmaler Scriba aus Herbstein, soweit dies möglich war, 1979/80 wiederhergestellt. Sie fanden ihren Platz im unteren Bereich des Kirchenschiffes. Zu Beginn der erneuten Renovierung im Januar 1996 wurden die Bilder gereinigt, mit neuem Rahmen versehen und auf Beschluss des Kirchenvorstandes, an ihrem ursprünglichen Platz an der Empore in biblischer Reihenfolge angebracht.“

Ernst Pleß, von 1964-1977 Pfarrer in Ettingshausen und jetzt im Ruhestand in Schlitz lebend, wurde von mir ebenfalls kontaktiert. Er erzählte von den 12 Bildern, von denen sechs wieder an der Empore angebracht sind: „Die Kirche in Ettingshausen wurde 1958/59 renoviert. Dabei wurden die alten Emporen, an denen sich die Bilder befanden, herausgerissen. Die Bilder landeten auf dem Schutt. Pfarrer Herwig soll gesagt haben: „Das ist barocker Kitsch, den können wir vergessen!“ Bauingenieur Weyrauch hat den Kirchenmaler Kurt Scriba informiert und diesen gebeten, die Bilder zu sichern. „Die Bilder gehören nicht mehr der Kirche, denn vom Bauschutt hätte sie sich jeder holen können!“ soll Weyrauch gesagt haben. So kamen einige der Bilder in den Besitz des Kirchenmalers Scriba, Herbstein. Als Oberkirchenrat Petri in Darmstadt in Pension ging, erhielt er von Bauingenieur Weyrauch in der Bauabteilung der EKHN eines der Bilder, das Scriba aufgearbeitet hatte, zum Geschenk.“

So schließt sich der Kreis und wir sind wieder beim Kirchenmaler Scriba. Der hat nach diesen Informationen einige (vielleicht) sechs der Bilder vom Schutt gerettet. Die sechs anderen Bilder hängen wieder in der Kirche in Ettingshausen. Ein Bild wurde verschenkt und das Weihnachtsbild hängt (etwas vergrößert) in unserer Rimbacher Kirche.

Das Rimbacher Weihnachtsbild führt in den Stall von Bethlehem. Gezeigt wird die „zerbrochene Hütte Davids“, von der der Prophet Amos verheißen hat, dass Gott sie wieder aufrichten wird. (Amos 9,11). Durch die Tür schaut man hinaus zum Feuer der Hirten auf dem Feld bei Bethlehem. Oberhalb des Feuers ist schemenhaft der Verkündigungsengel zu erkennen. Im Stall kümmern sich zwei Personen um das neugeborene Jesuskind. Rechts Maria im roten Kleid mit blauem Umhang. Rot ist die Farbe der Liebe und blau, seit dem Mittelalter die Farbe der Madonna, ist Zeichen der Treue. Die zweite Person ist nicht Joseph, sondern eine Frau, die aus der Gegenwart des Malers in das Bild eingetreten ist. Auch der „moderne“ Stuhl links unten im Bild stammt nicht aus biblischer Zeit. Das „Euch ist heute der Heiland geboren“ durchdringt alle Zeiten und gilt auch dann, wenn wir diese Worte hören.

Pierre Bouvain, Dezember 2006