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Die evangelische Kirche Sandlofs

Kirche Sandlofs im Lauf des Jahres (Bilder bitte anklicken)

Informationen zur Kirche in Sandlofs

Orgel in Sandlofs Bis zum Jahr 1885 wurde das Singen der gottesdienstlichen Gemeinde in Sandlofs durch den Vorsinger geleitet worden, dessen Amt mit der Schulstelle verbunden war. Da aber fast alle Gemeinden im Schlitzerland eine Orgel besaßen, wollten die Sandlofser nicht zurückstehen und erwarben 1885 eine kleine Kirchenorgel.

Rettung der Kirche 1861 geschah im letzten Moment. Nach dem Gottesdienst am zweiten Adventssonntag 1859 war auf Anweisung des großherzoglichen Kreisbaumeisters Horst die Sandlofser Kirche geschlossen worden. Die Kirche sollte abgerissen werden.

Sanierung der Kirche 2012 begann am 24. Oktober 2002. An der Kirche in Sandlofs wurden erhebliche Feuchtigkeitsschäden festgestellt. Die Sockelzone des Kirchenschiffes und des Chorraumes war bis zu einer Höhe von 1,50 m durchfeuchtet. Die eigentliche Sanierung begann im Jahr 2012 und dauert noch an.

Die Kirchengemeinde Sandlofs wurde zum 1.1.2008 pfarramtlich mit der Pfarrei Queck verbunden. Bis 1857 gehörte Sandlofs zur Pfarrei Queck, wurde dann aber mit der neu gegründeten Pfarrei Hutzdorf verbunden.

Wilhelm Diehl schreibt in Hassia Sacra Band VIII:
Sandlofs besaß zur Zeit der Einführung der Reformation eine Filialkirche. Das Gotteshaus dient seiner Bestimmung noch heute. Unter den Veränderungen, die an der Kirche in der Folgezeit vorgenommen wurden, war die bedeutendste die Errichtung eines neuen Kirchturmes im Jahre 1785. Franz Schmitt berichtet hierüber in seinem Buch “Die Kirchen des Kreises Lauterbach“, Seite 8 f.: “1785 lässt die Gemeinde Sandlofs ihren Kirchturm, der dem Einsturz drohte, abtragen und vom Zimmermeister Feik aus Schlitz erneuern.“

Taufstein von 1597 Sandlofser Kanzel Altarraum


Der Graf von Schlitz empfiehlt den Abriss der Kirche (1860)

In den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts war die Kirche baufällig. Da ihr alsbaldiger Einsturz befürchtet ward, ordnete das Kreisamt Lauterbach im Dezember 1859 die Schließung der Kirche an. Es wurden nunmehr Verhandlungen wegen Abbruchs der alten Kirche und der Errichtung eines Kirchenneubaus eingeleitet sowie ein Kirchbauplan ausgestellt, der die Baukosten auf 5.200 fl. veranschlagte. Da die Gemeinde nicht in der Lage war, diese große Geldsumme aufzubringen, trug der Patron der Pfarrei Hutzdorf, Graf Karl von Schlitz genannt von Görtz, in einem vom 2. Januar 1860 datierten Schreiben darauf an, dass man die Kirche abbrechen, aber nicht wieder aufbauen möge.

In dem Schreiben heißt es:“ Es ist eine Eigenthümlichkeit der Standesherrschaft Schlitz und wohl auch benachbarter Landschaften, dass fast jeder noch so unbedeutende und andern noch so nahe gelegene Ort seine eigene Kirche haben will, was denn mit Ausnahme der beiden zu Oberwegfurth gehörigen kleinen Orte Unterwegfurth und Unterschwarz bei allen übrigen Ortschaften in der That stattfindet. Diese Sitte dürfte vom Standpunkt kirchlichen Interesses kaum zu unterstützen und zu befördern sein, obgleich ihr lobenswerther Ursprung gewiss anzuerkennen ist. Die nächste nachtheilige Folge davon ist Zersplitterung der Kräfte der Gemeinden zu mehreren und unansehnlichen Kirchenbauten, während eine dem Bedürfnis des ganzen Kirchspiels angemessene Hauptkirche, welche in correcter Weise die gesamte Gemeinde aufzunehmen im Stande wäre, unter solchen Umständen kaum je zu Stande kommen wird. Außerdem bringt die Existenz dieser verschiedenen Kirchen vielseitige Ansprüche an die Kräfte des Geistlichen mit sich, der sich durch mehrfaches Predigen an den verschiedenen Filialorten oft über die Gebühr anstrengen muss, während doch an keinem Orte dem Bedürfnis eines regelmäßigen Gottesdienstes so vollständig entsprochen werden kann, als die Gewöhnung der Ortsangehörigen zu fester kirchlicher Ordnung es wünschenswerth macht. Überdies wird durch diese Ordnung der Dinge das Kirchenhalten der Schullehrer zu einer sich unausgesetzt ergebenden Nothwendigkeit, eine Sitte, von der es mindestens zweifelhaft ist, ob die Achtung vor der heiligen Stätte und vor Gottes Wort dadurch immer gefördert wird. Würde Großherzogliches Oberconsistorium sich in dem Falle befinden, die obigen Erwägungen für sachgemäß anzuerkennen, so bedürfte es wohl keiner weiteren Motivierung meine anmaßgeblichen Vorschlages, daß der gegenwärtige Moment benutzt werden möge, um in dem kleinen, von dem Pfarrsitz Hutzdorf nur 20 Minuten entfernten Sandlofs die Kirche eingehen zu lassen und für das kirchliche Bedürfniß der Gemeinde in anderweitiger Weise Vorsorge zu treffen, eine Maßnahme, die auch noch den besonderen Vortheil haben würde, dass demnächst die noch nicht geregelte Gottesdienstordnung zwischen den Gemeinden Hutzdorf, Frau-Rombach und Sandlofs weit leichter und in weit zweckmäßigerer Art hergestellt werden könnte.“

Obwohl das Oberconsistorium, an das die Eingabe des Grafen gerichtet war, dem Plan, „die Kirche zu Sandlofs eingehen zu lassen“, anfänglich freundlich gegenüberstand, kam dieser Plan nicht zur Ausführung. Kirchen- und Ortsvorstand zu Sandlofs stellten diesem Plan sowie dem Projekt der Errichtung eins Kirchenneubaus den stärksten Widerstand entgegen. Sie erklärten, dass die Schließung der Kirche höchst überflüssig gewesen sei, da das Gotteshaus sich keineswegs in einem „gefahrdrohenden Zustand befinde“. In einer Eingabe an das Ministerium des Innern beriefen sie sich zur Begründung ihres Standpunktes „darauf, dass die bestehende Senkung der einen Giebelmauer durchaus noch keine bedenkliche sei, und dass sich ihrer, nebst den hieraus entstandenen Sprüngen des Mauerwerkes die ältesten Leute in der Gemeinde aus ihrer Kinderzeit und ganz in dem dermaligen Umfange erinnerten.“

Auf diese Eingabe hin wurde die Oberbaudirektion um ihr Gutachten ersucht, „ob sie die Niederlegung des Kirchengebäudes wegen drohenden Einsturzes und irreparablen Zustandes für absolut nothwendig erklären müsse, oder ob eine nothdürftige Herstellung nach Ansicht des Kirchen- und Ortsvorstandes zulässig erscheint.“

Instandsetzung ohne Zustimmung der Kirchenbehörde (1861)

Ehe die hierdurch eingeleiteten Verhandlungen zum Abschluss kamen, wurde die Kirche im Frühjahr 1861 wider in brauchbaren Stand gesetzt. Ohne nach den Behörden zu fragen, ließ die „Gemeinde Sandlofs die schadhafte Giebelwand abbrechen und wieder aufbauen sowie auch das Dach der Kirche erneuern“. Der Oberbaudirektion verblieb nur noch die Aufgabe zu konstatieren, dass „kein Grund zur Beanstandung des neu errichteten Giebels vorliege“, das Dachwerk jedoch ohne Zweifel einer Verbesserung bedürfe.
Nach der Kirchenwiederherstellung von 1861, bei der im Chor alte Wandgemälde bloßgelegt, dann aber überstrichen wurden, ist das Gotteshaus noch mehrfach Reparaturen unterzogen worden. Die letzte Kirchenwiederherstellung kam im Jahre 1910 zur Durchführung.