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Rettung der Sandlofser Kirche 1861

Blick in die Sandlofser Kirche


150 Jahre Erhalt der Sandlofser Kirche

Kirche in Sandlofs

Am Sonntag 6. November 2011 Kaffeetrinken, Festvortrag und musikalische Vesper

Vor 150 Jahren hätten die Sandlofser um ein Haar ihre Kirche verloren. Sogar der Schlitzer Graf sprach sich für einen Abriss aus. Dass die Kirche noch steht, soll am Sonntag gebührend gefeiert werden.

Nach dem Gottesdienst am zweiten Adventssonntag 1859 war auf Anweisung des großherzoglichen Kreisbaumeisters Horst die Sandlofser Kirche geschlossen worden. Das Kirchengebäude wurde für baufällig erklärt, da bei der Giebelseite und dem Dach der Einsturz drohte. Die Sandlofser Gemeinde musste ihre Gottesdienste nun im Schulsaal feiern, der der Kirche gegenüber lag.

Nach dem Vorschlag des Kreisbaumeisters sollte die Sandlofser Kirche abgebrochen und neu aufgebaut werden. Hierzu fehlten der Gemeinde allerdings die notwendigen Mittel. Der Patron der Kirche und Schlitzer Graf Karl genannt von Görtz sprach sich am 2. Januar 1860 sogar dafür aus, die Kirche abzureißen. Fast jeder noch so unbedeutende Ort im Schlitzerland wolle seine eigene Kirche haben, so argumentierte der Graf. Dabei sollten doch besser die Kräfte gebündelt werden. Die Gemeinden sollten sich um angemessene Hauptkirchen sammeln, die dann wegen ihrer Größe im Stande wären, die gesamte Gemeinde aufzunehmen. Der Graf dachte auch an die Patronatspfarrer, wenn er schreibt: „Außerdem bringt die Existenz dieser verschiedenen Kirchen vielseitige Ansprüche an die Kräfte des Geistlichen mit sich, der sich durch mehrfaches Predigen an den verschiedenen Filialorten oft über die Gebühr anstrengen muss, während doch an keinem Orte dem Bedürfnis eines regelmäßigen Gottesdienstes so vollständig entsprochen werden kann, als die Gewöhnung der Ortsangehörigen zu fester kirchlicher Ordnung es wünschenswerth macht.“

Die Sandlofser Gemeinde versuchte während des ganzen Jahres 1860 erfolglos durch allerlei Eingaben den Abriss ihrer Kirche zu verhindern. Dem Sandlofser Bürgermeister Johannes Sippel wurde von der Baubehörde allerdings bei Strafe aufgetragen, den Abbruch der Kirche öffentlich versteigern zu lassen und möglichst bald Vollzug zu melden.

Das gräfliche Wappen über der Eingangstür

Gegen die Weisungen wurde die Kirche saniert

Anfang 1861 fasste die Sandlofser Gemeinde, die ihre Kirche auf jeden Fall erhalten wollte, den Entschluss, gegen die behördlichen Weisungen zu handeln und selbst das schadhafte Dach und den Giebel abzubrechen und unter Aufsicht des gräflich Görtzschen Bauverwalters Schneller wieder aufzubauen. Die ganze Gemeinde bildete dazu eine Baugesellschaft „welche sich zur Bestreitung der Baukosten verpflichtete und brach am 26. Februar (1861) das Dach und den Giebel ab, wozu die einzelnen Ortsbürger Handlanger- und Spanndienste leisteten. Der Wiederaufbau des Giebels wurde durch Maurermeister Johannes Metzendorf zu Schlitz, die Zimmerarbeiten am Dachstuhle durch Zimmermeister Johann Fehr von Schlitz besorgt. Die beiden Seitenwände des Schiffes, sowie der Thurm zeigten sich als nur geringer Reparaturen bedürftig.“ (Pfarrchronik) Auch den Schlitzer Grafen hatte man zum Umdenken bewegen können, denn er steuerte das erforderliche Zimmerholz im Wert von 200 Gulden den Renovierungsarbeiten bei.

Die Pfarrchronik berichtet: „Am 10. Novemb. d. J. 1861 konnte die Kirche endlich zum gottesdienstlichen Gebrauche eingeweiht werden. Die Einweihung erfolgte in Gegenwart der erlauchten Gräflichen Familie von Görtz durch den Ortsgeistlichen Pfarrer Heß unter sehr zahlreicher Betheiligung der Gemeindeglieder wie auch Auswärtiger. Die Gemeinde war hocherfreut ihr Gottes Haus wieder benutzen zu können.“

Die renovierte Kirche erhielt im Jahr 1885 ihre erste Orgel. 1893 und 1931 mussten am Turm Reparaturen durchgeführt werden. Renovierungen erfolgten 1910 und 1949.

Die Kirche 1963 - 1981

Als der Blitz einschlug begann das Elend

Als dann am Montag, den 10 Juni 1963 gegen 17 Uhr ein Blitz in den Kirchturm einschlug, waren die Beschädigungen eigentlich nicht sehr groß. Aber beim Beheben der Schäden wurde man auf gravierendere Mängel in der Bausubstanz des Turmes und des Kirchenschiffes aufmerksam. Einhundert Jahre hatte die Sandlofser Kirche nach dem drohenden Abriss von 1861 überstanden. Nun wurde wieder überlegt, ob man die Kirche einfach aufgeben sollte. Schon lange bestand der Wunsch, die Kirche zu vergrößern. Die Sandlofser Gemeinde war gewachsen und die kleine Kirche bot den zahlreichen Gemeindegliedern für größere Gottesdienste wie z. B. Konfirmationen nicht genügend Raum. So wurden vom Kirchenvorstand allerlei Überlegungen angestellt, wie man die Kirche sanieren und durch Um- oder gar Neubau mehr Platz schaffen könne. Im Jahr 1966 fasste der Kirchenvorstand den Beschluss, die Kirche um- und auszubauen. Die Umsetzung dieses Beschlusses verzögerte sich von Jahr zu Jahr, denn in der Pfarrei Hutzdorf, zu der Sandlofs gehörte, fand in dieser Zeit ein dreimaliger Pfarrerwechsel statt. Zwei verschiedene Quecker Pfarrer konnten als Vakanzvertreter auch nur für das Nötigste sorgen.

Pläne und Bauvorhaben

Plan von 1971

Anfang der 70er Jahre wurde eine ganze Reihe von Plänen gemacht und wieder verworfen. Finanzierungen wurden durchgerechnet und mussten bei der Kirchenverwaltung beantragt werden, bevor sie als unfinanzierbar wieder verworfen werden mussten. Von 1977 bis 1979 zogen sich Verhandlungen über die Ablösung der Bauverpflichtung mit der Stadt Schlitz hin, bis endlich ein Vertrag zustande kam. Nun war genügend Geld vorhanden aber Pläne zur Chorraumerweiterung wurden von dem Landeskonservator trotz mehrerer Eingaben des Kirchenvorstandes und der Kirchenverwaltung abgelehnt. So konnte nun nur noch das Hinausschieben des Kirchenschiffes nach Norden ins Auge gefasst werden, um wenigstens im Kirchenschiff etwas mehr Platz zu gewinnen. Am 19.6.1979 stellte die Kirchengemeinde den Bauantrag bei der Kirchenverwaltung. Im Januar 1980 liefen die ersten Ausschreibungen an, als erneut ein Rückschlag erfolgte. Ende Februar 1980 verließ Pfarrer Reuter auf eigenen Wunsch die Pfarrei Hutzdorf und übernahm die Pfarrstelle in Sandbach im Odenwald. Ab 1. März 1980 übernahm der Quecker Pfarrer Klaus Steckenreuter die Vakanzvertretung in der Pfarrei Hutzdorf. Trotz der starken Belastung in der eigenen Pfarrei trieb er 1980 und 1981 zusammen mit dem Kirchenvorstand die Sanierungsarbeiten so zügig voran, dass am 25. November 1981 die renovierte Kirche in Sandlofs wieder eingeweiht werden konnte. Der Propst für Oberhessen Helmut Grün hielt die Festpredigt. Der gemischte Chor Sandlofs und der Posaunenchor der Pfarrei Queck wirkten ebenfalls mit.

Wie das Jubiläum am Sonntag gefeiert wird

Die Sandlofser Kirchengemeinde blickt am kommenden Sonntag auf die wechselvolle Geschichte ihrer Kirche zurück und feiert das 150-jährige Jubiläum um 15.00 Uhr mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken im Dorfgemeinschaftshaus. Pfarrer Pierre Bouvain, der seit der Fusion der Kirchengemeinde Sandlofs mit der Pfarrei Queck im Jahr 2008 für die Kirchengemeinde zuständig ist, wird in einem Festvortrag in die Geschichte der Sandlofser Kirche einführen. Die Gemeinde wird dann um 17.30 Uhr vom DGH in die Kirche wechseln, um dort mit einer musikalischen Vesper den Festtag ausklingen zu lassen. Die Sandlofser Organistin Elke Turba wird Musik aus 150 Jahren Geschichte zu Gehör bringen. Die Zeit des Erhalts der Sandlofser Kirche wird aus musikalischer Sicht lebendig, wenn von Preußens Gloria, über den Liebestraum von Liszt, Lieder aus dem Schlitzischen Gesangbuch bis hin zu Musik von A. L. Webber aus dem Musical Cats erklingt. Mit dem Lied „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ wird die musikalische Vesper und damit der Festtag in Sandlofs ausklingen. Alle Gemeindeglieder aus der Pfarrei Queck und alle darüber hinaus Interessierte sind zu diesen Festveranstaltungen in Sandlofs herzlich eingeladen.