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Frauenkreis- u. Seniorenfahrt nach Hann.Münden

Tagesfahrt nach Hann. Münden

Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihre Namen büßen müssen
Tagesfahrt der Frauen- und Seniorenkreise der Pfarrei Queck ging nach Hann. Münden

Nach Hannoversch Münden in die südlichste Stadt des Landes Niedersachsen führte der Tagesausflug der Frauen- und Seniorenkreise der Pfarrei Queck am 13. Juni 2013.

Alljährlich lädt einer der Frauen- oder Seniorenkreise der Pfarrei Queck die anderen Kreise zu einer Tagesfahrt ein. In diesem Jahr hatte Elvira Göbel, eine der beiden Leiterinnen des Seniorenkreises Sandlofs, als Ziel Hannoversch-Münden ausgewählt und ein interessantes Programm zusammengestellt.

Am frühen Morgen sammelte ein Bus 34 Frauen und sechs Männer in den Dörfern der Pfarrei ein, um dann in Richtung Norden an die Landesgrenze von Hessen und Niedersachsen nach Hann. Münden zu fahren. Der Bus hielt in Hann. Münden unweit des Wesersteins, an dem Fulda und Werra zusammenfließen und die Weser bilden. Auf dem Weserstein ist zu lesen: „Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihre Namen büßen müssen. Und hier entsteht durch diesen Kuss deutsch bis zum Meer der Weser Fluss. Hann. Münden den 31. Juli 1899“

Nach kurzer Verschnaufpause bestieg die Gruppe die MS Europa, ein 300 Personen fassendes Schiff der Mündener Fahrgastschifffahrt. Andere Fahrgäste gab es an diesem Morgen nicht, so dass sich die Gruppe über das ganze Schiff verteilen konnte. Die eineinhalbstündige Fahrt ging durch mehrere Staustufen über die Fulda in Richtung Kassel. In den Staustufen überwand das Schiff Höhen von bis zu acht Metern, bis es dann wieder am Ausgangspunkt anlegte.

Nach einem kurzen Fußweg über die hölzerne Mühlenbrücke gelangten die Teilnehmer der Tagesfahrt auf den Marktplatz. Um zwölf Uhr lauschten alle dem Glockenspiel. Türen im Giebel des Rathauses öffneten sich und zeigten den berühmtesten Mündener Bürger Dr. Eisenbart. Dazu spielte das Glockenspiel die Melodie: „Ich bin der Doktor Eisenbart, kurier die Leut nach meiner Art. Kann machen, dass die Blinden gehen, und dass die Lahmen wieder sehn.“ Ganz im Gegensatz zu dem Liedtext war Johann Andreas Eisenbart in Wirklichkeit ein bedeutender Arzt. Der im Jahr 1663 in Oberviechtach in der Oberpfalz geborene Arzt starb am 11. November 1727 in Hann. Münden. Auf seinem Grabstein an der St. Aegidienkirche werden seine Titel genannt. Er war königlich großbritannischer und kurfürstlich Braunschweigischer privilegierter Landarzt. Seinen zweifelhaften Ruf bekam er wohl deshalb, weil er nicht an einem Ort sesshaft war, sondern überall im Land praktizierte. Seine Praxis schlug er auf Jahrmärkten zwischen Gauklern und Zirkusleuten auf.

Das anschließende Mittagessen im Ratsbrauhaus war ein Erlebnis. Das Haus wirbt mit dem Motto: „Unsere Speisekarte ist acht Quadratmeter groß und ganz nach Ihrem Geschmack.“ Und tatsächlich lud ein großes Buffet mit verschiedensten Gerichten aus der deutschen und internationalen Küche die Gruppe aus der Pfarrei Queck zum Essen ein. Man konnte essen so viel man wollte, aber kaum einem gelang es, von allen Vor-, Haupt- und Nachspeisen etwas zu kosten. Zu reichhaltig war das Angebot.

Gut gestärkt teilte sich die große Gruppe der Teilnehmer in zwei kleinere Gruppen auf, um von zwei sachkundigen Damen des Touristenbüros durch die Fachwerkstadt geführt zu werden. Es gab Informationen zu den vielfältigen Formen der Fachwerkbauten und zur Geschichte der Stadt. Gewürzt wurden die Informationen mit der Erklärung von allerlei Sprichwörtern und Redensarten. Da die Stadt Hann. Münden durch keinen der Kriege vergangener Jahrhunderte zerstört worden ist, bietet sie vielfältigste Einblicke in die Geschichte des Fachwerkbaus.

Die Führungen endeten nach eineinhalb Stunden an der St. Blasiuskirche, einer dreischiffigen gotischen Hallenkirche im Zentrum der Altstadt. Der Baubeginn der Kirche war Ende des 13. Jahrhunderts und zog sich über mehrere Bauphasen bis 1584 hin. Nun blieb Zeit, um in kleinen Gruppen oder allein in der Stadt auf Entdeckungstour zu gehen.

Fast alle Kleingruppen trafen an der Aegidiuskirche wieder zusammen, um dort Kaffee zu trinken. Die Kirche ist nämlich nur noch äußerlich eine Kirche. Im Innern und auf dem Gelände um die Kirche herum befindet sich ein Café. Das Kirchengebäude ist die älteste Kirche Hann. Mündens. Einige Quellen datieren die Errichtung der 1397 erstmals urkundlich erwähnten Kirche sogar zeitlich vor der Stadtgründung Mitte des 12. Jahrhunderts. Mit der Einführung der Reformation durch Herzogin Elisabeth im Jahr 1542 wurde die St. Aegidienkirche eine evangelische Kirche. Zur Geschichte der Kirche gehören die Zerstörung 1626 und ihr Wiederaufbau 1684. Einen Turm erhielt die Kirche 1729, eine Orgel 1824, eine Glocke, wurde 1873 aus einer Haubitze des deutsch-französischen Krieges gegossen. Schon im 19. Jahrhundert hatte die Aegidiengemeinde ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen. Da die Kirche nicht in dem dazugehörenden Wohngebiet lag, baute die Kirchengemeinde in Neumünden ein modernes Gemeindezentrum mit Kindergarten, Gottesdienst- und Gemeinderäumen, so wie ein Pfarrhaus. Damit wurde die Aegidiuskirche eigentlich überflüssig. Am 22. November 2006 musste die Kirchengemeinde aus finanziellen Gründen einen Schlussstrich unter die Geschichte der kleinen Mündener Kirche setzen. Unter einem letzten Geläut trugen Kirchenvorsteher nach einem Abendgottesdienst die gottesdienstlichen Geräte feierlich zur großen St. Blasiuskirche hinüber. Die Kirchengemeinde als Nutznießerin entwidmete die Kirche und gab sie an die Stadt Münden als Eigentümerin zurück. Im Jahr 2008 konnte die Stadt das Kirchengebäude dann an einen Privatinvestor verkaufen, der zwei Jahre später in ihr ein Cafe eröffnete. Um den Altar stehen seitdem Barhocker und auf den Kirchenbänken nimmt Platz, wer ein reichhaltiges Frühstücksbuffet oder tagsüber Kaffee oder und Kuchen im außergewöhnlichen Ambiente einer ehemaligen mittelalterlichen Kirche genießen will. Eine interessante aber auch traurige Erfahrung war dieser „Kirchenbesuch“.

Mit dem Bus ging es schließlich am späten Nachmittag zurück ins Richtung Schlitzerland. Vor der Ankunft kehrte die Gruppe nochmals in einem Gasthof ein, um sich für den Abend zu stärken. Mit dem Bewusstsein, vieles gesehen und erlebt zu haben kehrten die Teilnehmer der Tagesfahrt in die Dörfer der Pfarrei zurück.

pb/Queck