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Die neue Sandlofser Orgel 2022

Die Sandlofser Orgel - eine Kilian Gottwald-Orgel



Orgelbauer Kilian Gottwald: Die neue Orgel in der Sandlofser Kirche



Wie schon bei meinem Meisterstück von 2005 in Niedergemünden hat sich auch beim Orgelneubauprojekt Sandlofs (Einweihung 6.6.2022) gezeigt, dass sich durch eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten ohne weiteres die künstlerischen Ideen des Orgelbauers mit ganz unterschiedlichen, sich zunächst scheinbar wiedersprechenden Wünschen verbinden lassen. Galt dies hier schon für die Disposition, die der Sachverständige Thomas Wilhelm in der Ausschreibung umrissen hatte, so umso mehr bei Standortwahl und Prospektgestaltung: Ein frisch restaurierter kleiner Kirchenraum mit romanischem Chor durfte weder räumlich noch optisch verengt werden, die mit nicht geringem materiellem Aufwand zu realisierende neue Orgel soll Selbstbewusstsein ausstrahlen, der Orgelbauer möchte nach seinem Geschmack gestalten und sieht den Prospekt in der Reihe seiner bisherigen Entwürfe, aus der Landeskirche kommt sehr deutlich die Forderung nach einem „modernen“ Gewand (was ist das eigentlich?) und nicht zuletzt: die Gemeinde soll auf viele Jahre hinaus Freude an der Optik der neuen Orgel haben. Hinzu kommen noch konkrete Notwendigkeiten, die sich aus der vom Orgelbauer vorgeschlagenen Aufstellung als seitlich in Chornähe stehender Brüstungsorgel ergeben, denn der ankommende Kirchenbesucher soll nicht nur einen Holzkasten von der Seite sehen. Bei einem Treffen des Kirchenvorstandes mit dem Orgelbauer vor Ort entstanden dann die Skizzen, deren letzte Form hier links beigefügt ist.

Prospektgestaltung

Die Prospektfront der Orgel wurde als größtes Ausstattungsstück des Kirchenraumes gemeinsam mit Vertretern der Kirchengemeinde skizzenweise direkt vor Ort entworfen. Die Grundidee ist eine gleichzeitig neuzeitliche wie klassische Form, die asymmetrisch aus zwei Türmen und einem Mittelfeld zusammengesetzt ist. Die Pfeifen des kleineren Rundturmes wenden sich den eintretenden Kirchenbesuchern zu, das Mittelfeld nimmt mit seinen zwei voreinander stehenden Pfeifenreihen die Bewegung auf und der große Rundturm schaut zum Altar. Die Farbfassung als getupfte Oberfläche in drei Schichten nimmt rötlich-braune Sandsteintöne auf. 13.2

Klangliche Charakterisierung

Die neue Orgel besitzt warmen, festlichen Klang, der durch einen großen Farbenreichtum geprägt ist. Die Grundstimmen des Hauptmanuales orientieren sich an spätbarock-frühromantischen Vorbildern unserer Gegend und sind mittelweit mensuriert. Der Prinzipal 4‘ ist dabei als zentrale Stimme sanglich und mild ausgearbeitet und kann sehr schön auch eine Oktave tiefer gespielt werden. Mit dieser Stimme und dem Bordun 8‘ kann man die singende Gemeinde bereits gut begleiten. Der 2‘ kann aufhellend hinzutreten. Die beiden Aliquotstimmen bieten als Soloregister für die Liedvorspiele eine ebenso schöne Möglichkeit wie für einen warmen Plenumklang, der durch die glänzende Mixtur wirkungsvoll gekrönt wird. Das delikate Obermanual bietet dafür die Begleitung, besitzt durch die 4“-Flöte jedoch auch eine gewisse Selbständigkeit. Die tiefe Lage dieser feinen Flötenstimme ermöglicht zugleich auch zartes Piano-Spiel. Ein weich und geschmeidig schwingender Tremulant belebt den Orgelklang wohltuend.

Aufbau des Instrumentes

Die Orgel steht auf der Seitenempore und somit im jüngsten Teil des Kirchenraumes. Sie ist seitenspielig gebaut, wodurch die Musiker einen ausgezeichneten Kontakt zum Altargeschehen bekommen. Über dem Spieltisch ist die kleine Windlade des Obermanuales angeordnet, daran anschließend etwas tiefer liegend diejenige des Untermanuales. Im Spieltischbereich unten schließlich ist die Pedalwindlade eingebaut. Wegen der durch den Unterzug begrenzten Höhe sind die Baßpfeifen nach hinten abgeführt. Sie bilden einen Teil der Orgelrückwand.

Bauweise

Das Gebläse mit Massivholzkanälen besitzt als wesentliches Merkmal einen großen einfaltigen Parallelbalg im Orgelunterbau, der für stabilen, aber nicht starren Orgelwind sorgt. Für das Orgelgehäuse, für die Windladen und für die wesentlichen statischen Teile wurden Massivhölzer in witterungsunempfindlicher Verarbeitung verwendet. Besondere Aufmerksamkeit erforderte der Spieltisch mit seiner hochwertigen Ausstattung. So wurden die Untertasten der Manualklaviaturen mit Belägen aus Knochen versehen, die Obertasten bestehen aus Pflaume mit Ebenholzauflage. Die Registerzüge aus Pflaumenholz liegen sehr gut erreichbar oberhalb des zweiten Manuals. Die Spielmechanik ist leichtgängig und sensibel ausgearbeitet, wobei hier feinjährige Bergfichte, Messingdraht und Eisenrohr verwendet wurden.

Auf eine hochwertige Pfeifenbauweise wurde größter Wert gelegt. Alle Pfeifen wurden nach detaillierten Mensurangaben des Erbauers von erfahrenen und bewährten Pfeifenmachern gefertigt, wobei bereichsweise von Hand ausgedünnte Wandungen verwendet wurden. Die Prospektpfeifen aus hochprozentiger Zinnlegierung sind handabgezogen, hochglänzend poliert und erhielten Rundlabien. Für die Holzpfeifen aus Fichten-, Eichen- und Ahornholz kamen Bauformen aus dem mitteldeutschen Orgelbau zur Anwendung. Die Wandungen sind innen ausgeleimt bzw. mit rotem Bolus gestrichen, um die Poren zu verschließen.

Das Instrument wurde erbaut 2020 bis 2022 von der Orgelbauwerkstatt Kilian Gottwald, Amöneburg.

Disposition der neuen Sandlofser Orgel


Manual I C-f3

Bordun 8‘ Diskant rohrgedeckt, rund und nobel Holz
Principal 4‘ warm, klar zeichnend, Prospekt Zinn/Blei
Nasard 2 2/3‘ Baß gedeckt, dann konisch, mischfähig Zinn/Blei
Octave 2‘ glockig aufhellend ohne Schärfe Zinn/Blei
Terz 1 3/5‘ konisch, markante Cornettfarbe Zinn/Blei
Mixtur 3f. 1‘ feierliche Klangkrone Zinn/Blei

Manual II C-f3

Gedackt 8‘ spielfreudig, leicht Holz/Zinn/Blei
Zartflöte 4‘ malerisch und fein Holz

Pedal C-d‘

Subbaß 16‘ rund, füllend, klar, ab c0 aus Bordun I Holz

Koppeln: II-I, I-P, II-P
Tremulant